Bild: Blick über den Bergregenwald von Bwindi

Bwindi Impenetrable Forest

Rund die Hälfte aller Berggorillas der Welt lebt in diesem Bergregenwald im Südwesten Ugandas.

Redaktion Uganda Gorilla Trekking
8 Min. Lesezeit

«Impenetrable», undurchdringlich: Der Name ist keine Übertreibung. Bwindi ist ein steiler, dicht bewachsener Bergregenwald an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo, seit 1994 UNESCO-Welterbe. Der Wald hat die letzte Eiszeit überdauert und ist deshalb ausserordentlich artenreich.

Für Gorilla-Reisende ist Bwindi der wichtigste Ort Ugandas. Hier leben die meisten habituierten Familien, verteilt auf vier Sektoren mit eigenem Charakter. Welcher Sektor zu Ihnen passt, hängt von Ihrer Route, Ihrer Kondition und Ihren Wünschen an die Unterkunft ab.

Die vier Sektoren im Vergleich

SektorLageCharakterPasst zu
BuhomaNordenÄltester Sektor, grösste Auswahl an Lodges, eher gemässigtes GeländeKombination mit dem Queen-Elizabeth-Nationalpark und Ishasha
RuhijaOstenHochgelegen und kühl, ruhig, bekannt für VogelbeobachtungVogelfreunde, Reisende, die Ruhe suchen
RushagaSüdenMeiste habituierte Familien, einziger Ort der Habituation ExperienceZwei Trekkings, Habituation, Anreise über Kigali oder Kisoro
NkuringoSüdwestenSteilster Sektor, grandiose Aussicht auf die Virunga-VulkaneTrittsichere Wanderer mit guter Kondition

Das Permit gilt immer für einen bestimmten Sektor. Deshalb richtet sich die Unterkunft nach dem Permit und nicht umgekehrt. Zwischen Buhoma im Norden und Rushaga im Süden liegen auf kurvigen Pisten zwei bis drei Stunden Fahrt.

Buhoma: der Klassiker im Norden

In Buhoma begann 1993 der Gorilla-Tourismus in Uganda. Entsprechend gross ist die Auswahl an Unterkünften, von einfachen Gemeinde-Camps bis zu Luxuslodges direkt am Waldrand. Das Gelände ist im Vergleich zu den südlichen Sektoren etwas milder, die Familien halten sich oft in den Tälern nahe dem Parkbüro auf.

Buhoma ist ideal, wenn Sie den Queen-Elizabeth-Nationalpark und die baumkletternden Löwen von Ishasha einplanen, denn Ishasha liegt nur wenige Fahrstunden nördlich. Die Pisten dorthin sind naturbelassen und nach Regen holprig, doch die Fahrt durch die Teefelder ist ein Erlebnis für sich.

Ruhija: kühl, still und reich an Vögeln

Ruhija liegt auf über 2'300 Metern und ist der höchstgelegene Sektor. Morgens liegt oft Nebel über dem Wald, abends wird es richtig kühl. Die Familien sind weniger zahlreich, der Sektor entsprechend ruhig.

Für Vogelbeobachter ist Ruhija ein Begriff: Der Weg hinunter zum Mubwindi-Sumpf gilt als eine der besten Strecken Ostafrikas für Endemiten des Albertinischen Grabens, darunter der seltene African Green Broadbill. Wer Gorillas und Vögel verbinden will, plant hier einen zusätzlichen Tag ein.

Rushaga: die meisten Familien

Rushaga im Süden hat die grösste Zahl habituierter Familien und bietet damit auch in der Hochsaison die besten Chancen auf ein freies Permit. Nur hier findet die Gorilla Habituation Experience statt, bei der Sie vier Stunden bei einer Familie verbringen.

Das Gelände ist steil: Oft geht es zuerst in ein tiefes Tal hinunter und danach wieder hinauf. Ein Träger lohnt sich hier besonders. Rushaga liegt nahe Kisoro und der ruandischen Grenze und passt deshalb ideal zu Routen ab Kigali und zur Kombination mit Mgahinga und dem Lake Bunyonyi.

Nkuringo: steil und spektakulär

Nkuringo thront auf einem Grat über dem Wald. Von den Lodges reicht der Blick an klaren Tagen bis zu den Virunga-Vulkanen. Der Preis für diese Aussicht: Der Weg zu den Familien führt meist sehr steil hinunter, und nach der Begegnung müssen Sie den ganzen Höhenunterschied wieder hinauf.

Wer gut zu Fuss ist, erlebt hier ein ursprüngliches, wenig besuchtes Bwindi. Wer Knie- oder Rückenprobleme hat, wählt besser Buhoma oder Rushaga. Nkuringo ist auch von Kisoro aus gut erreichbar.

Welcher Sektor bei welcher Route?

Ihre RoutePassender SektorWarum
Mit Queen Elizabeth und IshashaBuhomaKürzeste Verbindung nach Norden
Ab Kigali oder mit MgahingaRushaga oder NkuringoNähe zu Kisoro und der Grenze bei Cyanika
Mit Lake BunyonyiRushaga oder RuhijaRund 1,5 bis 3 Stunden Fahrt zum See
Zwei TrekkingsRushagaMeiste Familien, Habituation Experience möglich
VogelbeobachtungRuhijaMubwindi-Sumpf und Bergwaldvögel

Ein kurzer Blick in die Geschichte

Bwindi wurde schon 1932 als Waldreservat geschützt, doch Holzschlag, Goldsuche und Jagd setzten dem Wald über Jahrzehnte zu. 1991 erklärte Uganda das Gebiet zum Nationalpark, 1994 nahm die UNESCO es in die Liste des Welterbes auf. 1993 wurde in Buhoma mit der Mubare-Familie die erste Gorillagruppe für Besucher geöffnet.

Seither ist der Gorilla-Tourismus zur wichtigsten Einnahmequelle der Region geworden. Mit dem Park kamen aber auch Konflikte: Die Batwa verloren ihren Wald, und Bauern am Parkrand leiden unter Wildschäden. Programme zur Gewinnbeteiligung und Projekte wie das Batwa-Kulturerlebnis sollen diese Lasten ausgleichen.

Wie schwierig ist das Trekking in Bwindi?

Die ehrliche Antwort: Es kommt auf den Tag an. Eine Familie kann sich eine halbe Stunde vom Parkbüro entfernt aufhalten oder vier Stunden tief im Wald. Die Pfade sind oft schmal, schlammig und steil, manchmal schlagen die Ranger mit der Machete einen Weg frei. Dazu kommt die Höhe von 1'500 bis 2'500 Metern.

Wer in der Schweiz regelmässig drei bis vier Stunden wandert, auch bergauf, ist gut vorbereitet. Die Ranger passen das Tempo der Gruppe an, und auf Wunsch teilen sie Gäste mit eingeschränkter Kondition einer Familie zu, die näher am Ausgangspunkt lebt. Garantieren lässt sich das nicht, aber es hilft, beim Briefing offen darüber zu sprechen. Nützlich sind ausserdem Wanderstöcke, Gamaschen und Gartenhandschuhe, siehe Packliste.

Ein typischer Tag in Bwindi

  1. 5.30 Uhr: Weckruf mit Kaffee oder Tee ans Zimmer, danach ein einfaches Frühstück.
  2. 6.30 Uhr: Fahrt zum Parkbüro Ihres Sektors, je nach Lodge fünf Minuten bis eine Stunde.
  3. 7.00 bis 8.00 Uhr: Begrüssung mit Tanz aus dem Dorf, Briefing, Zuteilung der Familien, Wahl der Träger.
  4. 8.00 bis 13.00 Uhr: Trekking, Stunde bei den Gorillas, Rückweg mit Lunchpause im Wald.
  5. Am Nachmittag: Zertifikatsübergabe, Rückkehr zur Lodge, Dusche, Batwa-Besuch oder Ruhe.
  6. Am Abend: Abendessen am Kaminfeuer, Gespräche über den Tag.

Der Ablauf ist ein Beispiel. Liegt die Familie weit entfernt, kehren Sie erst am späten Nachmittag zurück. Ihr Guide wartet am Ausgangspunkt, egal wie lange es dauert.

Klima und was Sie am Morgen erwartet

Bwindi liegt je nach Sektor zwischen etwa 1'160 und 2'600 Metern. Die Morgen sind kühl und oft neblig, gegen Mittag wird es warm und feucht. Regen fällt zu jeder Jahreszeit, in den Regenzeiten häufiger und länger. Eine Regenjacke gehört deshalb immer in den Rucksack, ebenso eine warme Schicht für den Start am Morgen.

Rechnen Sie am Trekkingtag mit einem frühen Frühstück um halb sechs oder sechs Uhr. Die Lodges geben Ihnen ein Lunchpaket mit. Nach der Rückkehr am Nachmittag bleibt Zeit für eine Dusche, einen Batwa-Besuch oder einfach den Blick über den Wald.

Anreise und Unterkunft

Von Entebbe oder Kampala fahren Sie acht bis zehn Stunden, je nach Sektor. Schneller geht es mit einem Inlandflug: Kihihi liegt nahe Buhoma, Kisoro nahe Rushaga und Nkuringo. Von Kigali aus sind die südlichen Sektoren in vier bis fünf Stunden erreichbar, inklusive Grenzübertritt.

In allen Sektoren gibt es Unterkünfte in drei Kategorien. Wichtig ist die Lage: Das Briefing beginnt um sieben Uhr, eine Lodge im richtigen Sektor erspart Ihnen eine Fahrt im Dunkeln. Unsere Reisen nennen die Lodges, mit denen wir arbeiten.

Lodges nach Sektor

Die Tabelle zeigt eine Auswahl der Häuser, mit denen wir arbeiten. In jedem Sektor gibt es weitere Unterkünfte. Welche passt, hängt vom Permit, Ihrem Budget und der Verfügbarkeit ab. In Ruhija gibt es keine eigentliche Luxuslodge; wer dort mehr Komfort möchte, wählt eine der besseren Mittelklasse-Unterkünfte.

Lage, Zimmer und Ausstattung jeder Unterkunft finden Sie in unserer Lodge-Übersicht.

Tiere, denen Sie unterwegs begegnen können

Bwindi ist einer der artenreichsten Wälder Afrikas. Auf dem Weg zu den Gorillas hören Sie oft mehr, als Sie sehen: das Rufen der Turakos, das Schnattern von Meerkatzen hoch in den Kronen, das Knacken von Ästen, wenn Waldelefanten in der Nähe sind. Mit etwas Glück zeigen sich Vollbartmeerkatzen, Guerezas, Rotschwanzmeerkatzen oder ein Ducker, eine kleine Waldantilope.

Für Vogelfreunde ist Bwindi ein Höhepunkt: Über zwanzig Arten kommen nur im Albertinischen Graben vor, darunter Turakos, Nektarvögel und Breitrachen. Wer sich dafür interessiert, plant eine Vogelwanderung mit einem spezialisierten Guide ein, am besten in Ruhija oder Buhoma.

Mehr als Gorillas

In Bwindi leben rund 120 Säugetierarten, darunter Schimpansen, Vollbartmeerkatzen, Guerezas und Waldelefanten, dazu über 340 Vogel- und rund 200 Schmetterlingsarten. Ohne Permit lässt sich der Wald auf geführten Naturwanderungen erkunden, etwa zu den Munyaga-Wasserfällen bei Buhoma.

Sehr empfehlenswert ist ein Besuch bei den Batwa, den ursprünglichen Bewohnern des Waldes, die 1991 bei der Gründung des Nationalparks umgesiedelt wurden. Mehr dazu unter Batwa-Kulturerlebnis.

Naturwanderungen ohne Permit

Bwindi ist mehr als die Stunde bei den Gorillas. Mit einem Ranger können Sie den Wald auf eigenen Wanderwegen erkunden, ohne Gorilla-Permit:

  • Munyaga-Wasserfall-Trail (Buhoma): eine gemütliche Halbtageswanderung zu drei Wasserfällen, gut für den Nachmittag nach dem Trekking.
  • Ivi-River-Trail: eine Tageswanderung quer durch den Wald von Buhoma nach Nkuringo, rund 14 Kilometer, mit dichtem Wald und Flussläufen. Das Gepäck fährt mit dem Auto.
  • Mubwindi-Sumpf (Ruhija): der Klassiker für Vogelbeobachter, steil hinunter in ein Sumpfgebiet mit seltenen Arten.
  • Dorfspaziergänge: geführte Rundgänge durch die Gemeinden am Waldrand, mit Besuchen bei Teebauern, Heilern oder Handwerkerinnen.

Mit Jugendlichen und Kindern

Gorilla-Trekkings sind ab 15 Jahren erlaubt. Für jüngere Kinder bietet Bwindi trotzdem viel: Naturwanderungen am Waldrand, den Besuch bei den Batwa, Dorfspaziergänge und in einigen Lodges Programme mit Schulen oder Gemeindeprojekten. Planen Sie die Reise so, dass ein Elternteil mit den Kindern ein eigenes Programm hat, während die anderen zu den Gorillas gehen.

Häufige Fragen

Welcher Sektor in Bwindi ist der beste?

Es gibt keinen besten Sektor, nur einen passenden. Buhoma für Kombinationen mit dem Queen Elizabeth, Rushaga für die meisten Familien und die Habituation Experience, Ruhija für Ruhe und Vögel, Nkuringo für Aussicht und sportliche Wanderer.

Wie viele Gorillas leben in Bwindi?

Bei der letzten Zählung waren es 459 Tiere im Gebiet Bwindi-Sarambwe, knapp die Hälfte des Weltbestands.

Kann ich in Bwindi zwei Trekkings machen?

Ja, am besten in Rushaga, wo die meisten Familien leben. Jedes Trekking braucht ein eigenes Permit.

Gibt es in Bwindi Malaria?

Das Risiko ist wegen der Höhe geringer als im Tiefland, aber nicht null. Lassen Sie sich reisemedizinisch beraten, siehe Impfungen und Gesundheit.

So entsteht dieser Ratgeber

Wir planen Gorilla- und Primatenreisen in Uganda und arbeiten täglich mit den Permits, Sektoren und Regeln der Uganda Wildlife Authority (UWA). Tarife, Zeiten und Vorschriften prüfen wir bei jeder Aktualisierung an der offiziellen Quelle. Für Einreise, Gesundheit und Sicherheit verweisen wir auf die zuständigen Stellen: die Reisehinweise des EDA, Ihre reisemedizinische Beratungsstelle oder Ihren Hausarzt und die Einreisebehörde Ugandas.

Stimmt etwas nicht mehr oder fehlt Ihnen eine Information? Schreiben Sie uns über das Kontaktformular, wir passen die Seite an.

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