Bild: Silberrücken im Profil in Bwindi

Der Berggorilla

Wer sie sind, wie sie leben, wie viele es noch gibt und warum der Tourismus Teil ihrer Rettung ist.

Redaktion Uganda Gorilla Trekking
8 Min. Lesezeit

Berggorillas gehören zu den seltensten Grossaffen der Welt. Es gibt sie nur noch an zwei Orten: in den Virunga-Vulkanen, die sich Uganda, Ruanda und die Demokratische Republik Kongo teilen, und im Bwindi Impenetrable Forest in Uganda. Dazwischen liegen nur rund 30 Kilometer, doch die beiden Populationen sind seit Jahrhunderten voneinander getrennt.

Was Besucher am meisten überrascht, ist die Ruhe dieser Tiere. Eine Gorillafamilie verbringt den grössten Teil des Tages mit Fressen, Dösen und Körperpflege. Laut wird es nur, wenn Jungtiere toben oder der Silberrücken Ordnung schafft. Wer die Tiere versteht, erlebt die Stunde bei ihnen intensiver.

Ein Grossaffe der Berge

Der Berggorilla (Gorilla beringei beringei) ist eine Unterart des Östlichen Gorillas. Im Vergleich zu seinen Verwandten im Tiefland hat er ein längeres, dichteres Fell, das ihn in Höhen zwischen 1'400 und über 3'000 Metern vor Kälte und Nässe schützt. Die Nächte können dort bis gegen zehn Grad abkühlen, und Regen fällt das ganze Jahr.

Genetisch sind Gorillas eng mit uns verwandt: Rund 98 Prozent des Erbguts stimmen mit dem des Menschen überein. Das zeigt sich in ihren Händen mit Fingerabdrücken, im Mienenspiel und im Sozialverhalten. Es hat aber auch eine Kehrseite: Gorillas stecken sich leicht mit menschlichen Krankheiten an, und schon eine Erkältung kann für sie gefährlich werden.

Berggorilla, Flachlandgorilla, Grauer-Gorilla: die Unterschiede

Es gibt zwei Gorilla-Arten mit je zwei Unterarten. Zum Westlichen Gorilla gehören der Westliche Flachlandgorilla, den Sie aus europäischen Zoos kennen, und der seltene Cross-River-Gorilla. Zum Östlichen Gorilla gehören der Berggorilla und der Östliche Flachlandgorilla, auch Grauer-Gorilla genannt, der im Osten der Demokratischen Republik Kongo lebt.

Berggorillas sind grösser und kräftiger als Westliche Flachlandgorillas, haben längeres Fell und kürzere Arme. Ihre Nasen sind so individuell wie Fingerabdrücke; Forscher erkennen jedes Tier an der Form der Nasenfalten. Die Tiere, die Sie in Uganda sehen, tragen deshalb alle einen Namen.

Die Familie und ihr Silberrücken

Gorillas leben in stabilen Familiengruppen. Im Zentrum steht der Silberrücken, ein ausgewachsenes Männchen ab etwa zwölf Jahren, dessen Rückenfell silbergrau wird. Er entscheidet, wohin die Gruppe zieht, wo sie rastet und wann sie aufbricht. Er schlichtet Streit und verteidigt die Familie gegen andere Männchen.

Zur Familie gehören mehrere erwachsene Weibchen, ihre Jungtiere und oft jüngere Männchen, sogenannte Schwarzrücken. In Bwindi und den Virungas leben manche Familien auch mit mehreren Silberrücken zusammen, von denen einer dominant ist. Die Gruppen zählen meist zehn bis dreissig Tiere.

Junge Weibchen verlassen ihre Geburtsfamilie in der Regel, wenn sie erwachsen werden, und schliessen sich einer anderen Gruppe oder einem einzelnen Silberrücken an. Junge Männchen ziehen oft eine Zeit lang allein oder in Junggesellengruppen umher, bis sie eine eigene Familie gründen. So entstehen über die Jahre neue Familien, und die Namen der Gruppen, die Sie auf Ihrem Permit lesen, erzählen oft von solchen Abspaltungen.

Rollen in der Familie

MitgliedAlterRolle
SilberrückenAb etwa 12 JahrenFührt die Familie, schützt sie, schlichtet Konflikte
SchwarzrückenEtwa 8 bis 12 JahreJunge Männchen, oft Wächter am Rand der Gruppe
WeibchenAb etwa 8 bis 10 JahrenBringen alle vier Jahre ein Junges zur Welt, bestimmen oft die Stimmung
Jungtiere3 bis 8 JahreSpielen, raufen, lernen durch Nachahmung
SäuglingeBis 3 JahreWerden getragen und gestillt

Silberrücken sind erstaunlich geduldige Väter. Sie lassen Jungtiere auf sich herumklettern, teilen Futterplätze und greifen ein, wenn das Spiel zu wild wird. Stirbt ein Silberrücken, kann eine Familie zerfallen, wenn kein anderes Männchen die Führung übernimmt. Manchmal übernimmt ein fremdes Männchen die Gruppe, was für Jungtiere gefährlich werden kann.

Ein Tag im Leben einer Gorillafamilie

Der Tag beginnt kurz nach Sonnenaufgang. Die Tiere verlassen ihre Schlafnester, die sie jeden Abend neu aus Zweigen und Blättern am Boden oder in niedrigen Bäumen bauen. Danach wird gefressen, oft mehrere Stunden am Stück. Gegen Mittag folgt eine lange Ruhepause, in der die Erwachsenen dösen und sich gegenseitig pflegen, während die Jungtiere spielen.

Am Nachmittag wird wieder gefressen und langsam weitergezogen, meist nur wenige hundert Meter bis ein bis zwei Kilometer am Tag. Am frühen Abend baut jedes Tier sein Nest, Mütter teilen es mit ihren Kleinen. Die Fährtenleser suchen am nächsten Morgen genau diese Nester, um der Spur zu folgen.

Für Ihren Besuch

Die Trekkings beginnen am Vormittag, weil die Familie dann frisst und aktiv ist. Wenn Ihre Gruppe die Gorillas zur Mittagsruhe erreicht, erleben Sie oft die entspannteste Stimmung, mit spielenden Jungtieren und dösenden Erwachsenen.

Kommunikation: Grunzen, Brusttrommeln, Blicke

Gorillas verständigen sich mit einer Vielzahl von Lauten. Ein tiefes, zufriedenes Brummen oder Rülpsen, auf Englisch «belch vocalization», bedeutet: Alles in Ordnung. Die Ranger ahmen diesen Laut nach, um der Familie zu zeigen, dass die Besucher friedlich sind. Schärfere Grunzer und Schreie signalisieren Ärger oder Warnung.

Das berühmte Brusttrommeln ist keine Drohung im eigentlichen Sinn, sondern ein Signal: Seht her, hier bin ich. Silberrücken trommeln, um Rivalen zu beeindrucken oder die Familie zu sammeln, Jungtiere trommeln im Spiel. Auch Blicke sind wichtig. Ein direkter, langer Blick kann als Herausforderung verstanden werden. Deshalb raten die Ranger, den Blick zu senken, wenn ein Silberrücken sich aufrichtet.

Was Berggorillas fressen

Berggorillas sind fast reine Pflanzenfresser. Sie fressen Blätter, Triebe, Stängel, Mark, Rinde, Wurzeln und in geringerem Mass Früchte. Wilder Sellerie, Disteln, Brennnesseln und Bambussprossen stehen je nach Gebiet und Jahreszeit ganz oben auf dem Speiseplan. Ab und zu kommen Ameisen oder andere Insekten dazu.

Ein erwachsener Silberrücken frisst bis zu 30 Kilogramm Pflanzen am Tag. Weil diese Kost wenig Energie liefert, müssen die Tiere viel fressen und viel ruhen. Die Gorillas in Bwindi fressen deutlich mehr Früchte als die in den Virungas, weil der tiefer gelegene Regenwald ein grösseres Fruchtangebot hat. Sie legen deshalb auch weitere Strecken zurück, was die Trekkings in Bwindi oft länger macht.

Fortpflanzung und Aufzucht

Ein Weibchen bringt nach einer Tragzeit von rund achteinhalb Monaten meist ein einzelnes Junges zur Welt, das bei der Geburt etwa zwei Kilogramm wiegt. In den ersten Monaten klammert es sich an den Bauch der Mutter, später reitet es auf ihrem Rücken. Gestillt wird bis ins dritte oder vierte Lebensjahr.

Da ein Weibchen nur etwa alle vier Jahre ein Junges bekommt und nicht alle überleben, wächst der Bestand langsam. Jedes einzelne Tier zählt. Das erklärt, warum die Parkverwaltung so streng auf Abstand und Gesundheitsregeln achtet.

Wie viele Berggorillas gibt es noch?

über 1'000Berggorillas weltweit nach den letzten Zählungen
459Tiere im Gebiet Bwindi-Sarambwe (Zählung 2018)
2018Herabstufung von «vom Aussterben bedroht» zu «stark gefährdet»

In den 1980er-Jahren lebten in den Virunga-Vulkanen nur noch rund 250 Berggorillas. Wilderei, Kriege und die Umwandlung von Wald in Ackerland hatten sie an den Rand des Aussterbens gebracht. Heute sind es insgesamt wieder über tausend Tiere, verteilt auf die Virungas und Bwindi. 2018 hat die Weltnaturschutzunion IUCN die Unterart von «vom Aussterben bedroht» auf «stark gefährdet» herabgestuft.

Das ist einer der wenigen echten Erfolge im Artenschutz, und er hat drei Säulen: bewaffnete Ranger und tägliche Überwachung, tierärztliche Betreuung der habituierten Familien und einen Tourismus, der den Schutz finanziert und den Gemeinden am Waldrand ein Einkommen verschafft.

Was die Gorillas heute bedroht

  • Krankheiten: Atemwegsinfekte von Menschen sind eine der häufigsten Todesursachen bei habituierten Gorillas. Deshalb gelten Abstand, Maskenempfehlungen der Ranger und das Verbot, erkältet zu trekken.
  • Schlingenfallen: Sie sind für Antilopen gedacht, verletzen aber auch Gorillas. Ranger entfernen jedes Jahr zahlreiche Fallen.
  • Lebensraum: Die Parks sind klein und von dicht besiedeltem Ackerland umgeben. Die Gorillas können nicht ausweichen.
  • Klimawandel: Veränderte Niederschläge und Temperaturen beeinflussen die Pflanzen, von denen die Tiere leben.
  • Politische Instabilität: Vor allem im kongolesischen Teil der Virungas gefährden bewaffnete Konflikte Ranger und Tiere.

Forschung in Bwindi

Bwindi ist seit Jahrzehnten ein Zentrum der Gorillaforschung. Forscher untersuchen, wie Gorillas ihre Nahrung wählen, wie sich Familien bilden und trennen und wie Krankheiten zwischen Menschen und Menschenaffen übertragen werden. Tierärzte der Parkverwaltung und von Partnerorganisationen überwachen die habituierten Familien und greifen ein, wenn ein Tier in einer Schlinge verletzt wurde.

Ein wichtiger Teil der Arbeit findet in den Gemeinden statt: Gesundheitsprogramme für Menschen am Waldrand verringern das Risiko, dass Krankheiten auf die Gorillas übergehen. Schutz der Gorillas und Gesundheit der Menschen gehören hier eng zusammen.

Wie Sie sich bei den Gorillas verhalten

  • Bleiben Sie in der Gruppe und hinter dem Ranger.
  • Sprechen Sie leise und bewegen Sie sich langsam.
  • Wenn ein Gorilla auf Sie zukommt, bleiben Sie ruhig stehen oder weichen langsam zurück.
  • Richtet sich ein Silberrücken auf oder trommelt, senken Sie den Blick und machen sich klein.
  • Zeigen Sie nicht mit dem Finger auf die Tiere und machen Sie keine hektischen Gesten.
  • Husten oder niesen Sie in den Ellbogen und wenden Sie sich dabei ab.

Wie Ihr Besuch hilft

Ihr Permit finanziert Ranger, Fährtenleser und Tierärzte. Ein Teil der Einnahmen geht direkt an die Gemeinden rund um die Parks. Wenn Sie in einer Gemeinde-Lodge übernachten, einen Träger aus dem Dorf engagieren oder bei den Batwa Kunsthandwerk kaufen, bleibt das Geld in der Region, wo es am meisten bewirkt.

Genauso wichtig ist Ihr Verhalten im Wald: sieben Meter Abstand, kein Blitz, leise sprechen, nicht essen in der Nähe der Tiere und bei Krankheit zu Hause bleiben. Wie ein Trekkingtag abläuft, lesen Sie auf der Startseite, die Tarife unter Gorilla-Permit-Preise.

Häufige Fragen

Sind Berggorillas gefährlich?

Habituierte Familien sind an Menschen gewöhnt und verhalten sich ruhig. Ein Silberrücken kann aber Scheinangriffe machen, wenn er sich bedrängt fühlt. Wer den Anweisungen der Ranger folgt, ist sicher.

Wie viele Berggorillas leben in Uganda?

Knapp die Hälfte des Weltbestands, vor allem in Bwindi, dazu die Tiere in Mgahinga.

Kann man Berggorillas im Zoo sehen?

Nein. Berggorillas leben ausschliesslich in freier Wildbahn. Gorillas in europäischen Zoos sind Westliche Flachlandgorillas.

Warum darf man nicht näher als sieben Meter heran?

Zum Schutz vor Krankheitsübertragung und um die Tiere nicht zu stören. Kommt ein Gorilla von sich aus näher, weichen Sie langsam zurück, wenn die Ranger das anzeigen.

So entsteht dieser Ratgeber

Wir planen Gorilla- und Primatenreisen in Uganda und arbeiten täglich mit den Permits, Sektoren und Regeln der Uganda Wildlife Authority (UWA). Tarife, Zeiten und Vorschriften prüfen wir bei jeder Aktualisierung an der offiziellen Quelle. Für Einreise, Gesundheit und Sicherheit verweisen wir auf die zuständigen Stellen: die Reisehinweise des EDA, Ihre reisemedizinische Beratungsstelle oder Ihren Hausarzt und die Einreisebehörde Ugandas.

Stimmt etwas nicht mehr oder fehlt Ihnen eine Information? Schreiben Sie uns über das Kontaktformular, wir passen die Seite an.

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